Friedrich-Schiller-Universität Jena

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Forschung

In der Forschung legen wir ein großes Gewicht auf Organisationstheorien, insbesondere die Weiterentwicklung und die empirische Überprüfung von Organisationstheorien. 

Wichtige Theorien, die wir unserer Arbeit zugrunde legen, sind die neoinstitutionalistische Organisationstheorie, der Organizational Ecology-Ansatz und der Business Systems-Ansatz. Diesen Theorien ist gemeinsam, dass sie Institutionen -- kognitive, normative und regulative -- als die zentralen Erklärungsfaktoren der Ausgestaltung von Organisationsstrukturen und des Verhaltens von Organisationen und Organisationsmitgliedern betrachten. 

In der empirischen Forschung konzentrieren wir uns vornehmlich -- aber nicht ausschließlich -- darauf, wie institutionelle und technisch-ökonomische Einflussfaktoren auf die Ausgestaltung der formalen Struktur von Unternehmen und das Verhalten von Organisationen und Organisationsmitgliedern wirken. 

Da die Einflussfaktoren im Zeitverlauf einer Veränderung unterliegen -- etwa dadurch, dass neue Institutionen entstehen, andere an Bedeutung verlieren, neue Technologien eingesetzt werden oder neue Managementkonzepte von Unternehmen übernommen werden --, verändern sich auch die Organisationsstrukturen und das Verhalten der Organisationen und Organisationsmitglieder. Die Untersuchung des Wandels von Organisationen stellt insofern einen weiteren Schwerpunkt unserer Forschung dar. 

Damit lassen sich vier Kernbereiche unserer Forschung festhalten, die eng miteinander verbunden sind:

  1. Organisationstheorien
  2. Organisationsstrukturen
  3. Verhalten von Organisationsmitgliedern
  4. Wandel von Organisationen

 

Drittmittelfinanzierte Forschungsprojekte - aktuell

Die kulturelle Konstruktion von Unternehmensverantwortung (DFG)

Die vorliegende Literatur vernachlässigt weitgehend die Bedeutungsdimension des Konzeptes Unternehmensverantwortung. Was Verantwortung ist oder nicht, ist stets Ausdruck einer sozialen Konstruktion. Der Weltkultur-These im Neo-Institutionalismus folgend, müsste sich das kulturell geteilte Verständnis von Unternehmensverantwortung global angeglichen haben. Dementsprechend verbreitet sich Unternehmensverantwortung nicht nur als allgemeiner, inhaltsneutraler Begriff oder in Form von Praktiken, sondern auch auf einer normativen und kognitiven Ebene. Im vorliegenden Forschungsprojekt wollen wir diesen bislang nur angenommenen Angleichungsprozess empirisch untersuchen. Dazu wollen wir einerseits mithilfe quantitativer (computer-)linguistischer Analysemethoden am Beispiel dreier, für die Weltökonomie bedeutsamen, Länder (Deutschland, Großbritannien, USA) im Längsschnitt (1950-2015) das kulturelle Verständnis von Unternehmensverantwortung untersuchen. Mit diesem Vorgehen wollen wir den vermuteten Wandel des Verantwortungsverständnisses im Zeitverlauf sichtbar machen. Andererseits soll parallel hierzu vor dem Hintergrund der Wirtschaftsgeschichten der drei Länder die bisherige Literatur zur Unternehmensverantwortung in historischer Perspektive systematisch aufgearbeitet werden. Anschließend sollen beide Seiten der Analyse zusammengeführt und unsere Forschungsfragen einer empirischen Untersuchung unterzogen werden. Die beantragte Studie zielt darauf, Implikationen sowohl für die Theorie des Neo-Institutionalismus, als auch den wissenschaftlichen Diskurs über die Verantwortung von Unternehmen abzuleiten.

Weitere Informationen: Digitalität in den Geisteswissenschaften


Projektbearbeiter: Dr. Jan Goldenstein und Philipp Poschmann


Drittmittelfinanzierte Forschungsprojekte - abgeschlossen

Bestandsaufnahme: Führungsverantwortung als Thema in Forschung & Lehre (Carl-Zeiss-Stiftung)

Die gesellschaftliche Diskussion über die Verhaltensweisen von Führungspersönlichkeiten in Wirtschaft und Gesellschaft wirft die Frage auf, welche Rolle das Thema "Führungsverantwortung" an den Hochschulen in Forschung und Lehre spielt. Durch eine aussagekräftige Bestandsaufnahme der derzeitigen Verankerung und Bedeutung des Themas "Führungsverantwortung" in Forschung und Lehre an den Universitäten der Bundesländer Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Thüringen soll die Studie Empfehlungen für Fördermaßnahmen formulieren, die an die Praxis anschlussfähig sind und damit der gesellschaftspolitischen Verantwortung der Hochschulen gerecht werden.

Projektbearbeiterin: Stefanie Wüstenhagen


Umsetzung und Anpassung der Managementkonzepte Shareholder Value und Corporate Social Responsibility (DFG)

Mit diesem Projekt wollen wir an die jüngere Literatur zur Übernahme und Übersetzung von Managementkonzepten auf der Basis der neoinstitutionalistischen Organisationstheorie anschließen, aber zugleich in zweierlei Hinsicht über diese hinausgehen. Bisher konzentrierte sich die Forschung lediglich auf die Implementierung eines Konzeptes oder inhaltlich verwandter Konzepte. Diese Herangehensweise blendet aus, dass die von Unternehmen übernommenen Managementkonzepte zueinander nicht nur in einem komplementären oder neutralen, sondern auch in einem konkurrierenden (im Extremfall widersprechenden) Verhältnis stehen können. Zudem wurde der eigentliche Übersetzungsprozess noch nicht systematisch im Zeitverlauf untersucht. Die eigentlichen Übersetzungsleistungen wurden insofern bisher nicht erfasst, sondern nur die Ergebnisse der Übersetzungsprozesse. Im hier beantragten Projekt wollen wir mithilfe qualitativer Forschungsmethoden untersuchen, wie vordergründig einander widersprechende Managementkonzepte, nämlich Shareholder Value und Corporate Social Responsibility, übersetzt und in organisationale Kontexte eingeführt werden.

Projektbearbeiter: Dr. Stephan Bohn und Dr. Anne Galander


Multinationale Unternehmen, regionale Governance und Human Resource Management (DFG)

Das Forschungsvorhaben untersucht die Interaktion zwischen Governanceakteuren sowie Aus- und Weiterbildungsorganisationen, z.B. Universitäten, mit multinationalen Unternehmen auf regionaler Ebene; die erfolgt in zwei Regionen in den alten und neuen Bundesländern. Das Projekt ist Teil eines internationalen Forschungsprojekts mit vergleichbaren Untersuchungen in je zwei Regionen der Länder Großbritannien, Irland, Kanada und Spanien. Ziel des Projektes ist es zu untersuchen, wie Governanceakteure sowie Aus- und Weiterbildungsorganisationen mit multinationalen Unternehmen interagieren und wie diese Beziehungen die Nachfrage nach und das Angebot von Humanressourcen sowie die regionale Einbettung von multinationalen Unternehmen prägen. Vor dem Hintergrund des internationalen Wettbewerbs zwischen Regionen um wertschöpfende Unternehmensinvestitionen und der zunehmenden Regionalisierung der Industriepolitik haben diese Aspekte eine hohe Relevanz. Sie werden durch eine qualitative Untersuchung von kritischen Ereignissen in der Interaktion zwischen regionalen Akteuren und multinationalen Unternehmen sowie eine soziale Netzwerkanalyse erfoscht.

Projektbearbeiterin: Dr. Eva Schlindwein